Rügen – Auf der Suche nach Ausbildungen

Bei zwei Besuchen auf Rügen traf PRO BLEIBERECHT Asylsuchende aus vielen Ländern. Sie alle eint ein gemeinsamer Nenner: Die Suche nach einer Perspektive in Vorpommern. Dass das nicht immer leicht ist und erst recht nicht immer leicht gemacht wird, konnten wir eindrücklich erfahren.

Überquert man die Rügenbrücke, folgt man dem Strom der Tourist*innen, die für ein paar Tage das unbeschwerte Leben auf der Insel genießen. Wagt man sich weiter hinein in die kleinen Städte und verlässt die altbekannten Wege, trifft man auf die Einheimischen. Darunter Geflüchtete, die oft schon viele Jahre auf Rügen wohnen und dort – meist nicht selbst gewählt – Wurzeln geschlagen haben.

Was sie bewegt, ist vielfältig. Natürlich. Die einen stehen noch vor dem Interview, ein anderer lebt bereits 4 Jahre in Duldung. Ein Mädchen arbeitet für ihren Schulabschluss, eine Frau bangt um eine Ausbildung.

Viele, denen PRO BLEIBERECHT begegnet ist, sind auf der Suche nach Möglichkeiten, sich eine Zukunft in Deutschland zu bauen. Auch, nachdem ihr Asylverfahren negativ entschieden wurde. Denn zurückgehen in ein Land wie die Ukraine oder Ägypten? Ohne Perspektiven und ohne Anknüpfungspunkte? Oder nach Mauretanien? Als Schwarzer in einen rassistischen Staat, der nicht einmal die eigenen Kinder als BürgerInnen akzeptiert?

Die aktuelle Entscheidungspraxis des BAMF hinsichtlich Afghanistan macht es schmerzlich deutlich: Eine Ablehnung des Asylantrags bedeutet nicht, dass es richtig ist, jemanden in sein*ihr Herkunftsland zurückzuschicken. Zu verworren die politischen Verstrickungen und zu unübersichtlich die drohenden Entwicklungen.

Ich möchte hier nur arbeiten. Wirklich. Ich will kein Geld vom Sozialamt. Und das Sozialamt sagt: Geh arbeiten. Aber die Ausländerbehörde sagt Nein“, so erzählte uns ein junger Mann mit Ablehnung von seiner Situation. Mit Arbeitserlaubnissen ist die Ausländerbehörde Stralsund sehr zurückhaltend.

Seit dem Integrationsgesetz von 2016 gibt es die klare Regelung, dass Menschen, die eine Ausbildung haben, nicht abgeschoben werden dürfen und danach die Chance bekommen, sich eine Arbeitsstelle zu suchen. Sie können sich auf diese Weise sozusagen einen Aufenthaltstitel „erarbeiten“. Das ohnehin schon unter den widrigsten Bedingungen, meist ausgeschlossen von BAB und abhängig von der Sicherung der Arbeitsstelle.

Doch vor dem Beginn einer Ausbildung steht der Antrag um Arbeitserlaubnis. Und diese in Stralsund zu bekommen, ist schwer.

Denn die gesetzlich geforderten „Mitwirkungspflichten“ werden hier besonders zu Ungunsten der Asylsuchenden ausgelegt.

Die Ausländerbehörde hier sagte mir, wenn ich das erste negativ habe, gibt es keine Ausbildung mehr. Aber das ist nicht richtig. Ich weiß das. Eine Freundin von mir in Rostock ist in genau derselben Situation. Es hat einen Tag gedauert, dann hatte sie ihre Arbeitserlaubnis“, so sagt uns ein anderer Asylsuchender.

Ermessen und Spielraum von Behörden. Ein großes Problem für alle, die von den Entscheidungen der Behörden abhängig sind.

Die schöne Insel Rügen – aus Unterstützungs-Sicht immer wieder einen Besuch wert!

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